Ein grandioses Wochenende am Kölner Tanzbrunnen ist vorüber, welches wohl den meisten der ca. 13.000 Besucher des 5. Amphi Festivals noch lang in Erinnerung bleiben wird. Das recht weit gefächerte Programm bediente den größten Teil, der nur möglichen Richtungen. Somit konnte man eine tolle Abwechslung aus EBM, Industrial, Gothic-Rock, Electro und Future-Pop genießen. Zum Jubiläum fanden sich, wie auch in den Jahren zuvor, einige Perlen im Line-Up aus insgesamt 34 Bands. Sogar das Wetter spielte entgegen des Wetterberichtes recht gut mit. Vereinzelte Regentropfen verzogen sich recht schnell wieder und blauer Himmel und Sonnenschein ließen das Thermometer teilweise auf über 20 Grad klettern – ideales Festivalwetter also.
In diesem Jahr wurde die auf dem Gelände liegende Rheinparkhalle für das Indoor-Programm genutzt, welche auf Grund der Größe wesentlich mehr Besuchern die Chance gab, die ein oder andere Band zu sehen. Doch diese verkraftete die stampfenden Bässe bei Feindflug leider nicht, so das sich ein Stück der Deckenverkleidung löste und auf die Bühne viel – zum Glück ohne jemanden zu verletzen. Auf Grund von Sicherheitsmaßnahmen, welche mehr als verständlich waren, wurde die Halle geräumt. Als Ersatz musste somit das Theater herhalten, welches auch in den Jahren zuvor für die Indoor-Auftritte genutzt wurde. Da die DVD und Filmvorführungen ohnehin recht wenig angenommen wurden, war dies somit kein Problem. Schließlich war die Strandbar um ein vielfaches gemütlicher um sich zwischendurch kurz erholen zu können. Der Blick auf den Rhein, mit dem Dom am anderen Ufer, der kühle Cocktail in der Hand sowie die Sonne im Gesicht ließen fast schon Urlaubsstimmung aufkommen. Ein Rahmenprogramm mit gewissem Vorbildscharakter, interessanten Ständen die zu kleinen Shoppingrunden einluden, der Gothic Family Stand, der die jüngsten Besucher versorgte, sowie der neue Zeltplatz rundeten das Programm ab, wenn auch die Verpflegung in diesem Jahr ein wenig mager und für das was geboten wurde, zu teuer war (habe verzweifelt nach dem Paella-Stand vom letzten Jahr gesucht).
Der Samstag startete mit Coppelius, gefolgt von Mantus, welche nach all den Jahren nun Ihren ersten Live-Auftritt absolvierten. Doch entweder war der Abend zuvor zu lang, die Stimmbänder nicht geölt oder die Technik nicht optimal eingestellt… - denn Dank der fast engelsgleichen Stimmen welche von diversen Silberscheiben tönen, war zu mindestens ich ein ganzes Stück enttäuscht von der stimmlichen Leistung. Während anschließend in der Halle Auto-Auto, Jäger 90 und Xotox der Menge einheizten, ertönte von der Mainstage Solar Fake, das Nebenprojekt von Sven Friedrich (Zeraphine). Anschließend konnte man The Birthday Massacre erleben, welche momentan durch Europa touren und in diesem Jahr ihr Festivaldebüt feiern können. Auch zum Mera Luna im August in Hildesheim gibt es erneut die Chance die Band um Frontfrau Chibi live zu sehen. In der Rheinparkhalle konnte man während dessen Scandy, Absolute Body Control und Marsheaux erleben, während auf der Mainstage Einbrecher das Publikum begeisterten. Leather Strip und Covenant folgten von mir fast ungesehen und ungehört, da ich mich ein wenig an der Strandbar erholte, um mich anschließend in das Getümmel bei Agonoize und Feindflug stürzen. Auf den kleinen Zwischenfall während Feindflug wurde natürlich richtig reagiert, doch eine Info ob und wann der Auftritt fortgesetzt wird fehlte, oder wurde von vielen Besuchern überhört oder übersehen. Einen gelungenen planmäßigen Abschluss am Samstag gab es Dank der Urgesteine Fields of the Nephilim - ganz ohne elektronische Töne – dafür mit bekannter Stimme und brillianten Gitarrensounds. Etwa eine Stunde danach waren im Theater die Vorbereitungen abgeschlossen und so beendete Laibach einen langen und ereignisreichen Tag am Kölner Rheinufer.
Die anschließende Nacht im Hotel war natürlich viel zu kurz und das Frühstücksbuffet schon abgeräumt, so dass als erstes der Weg zum Bäcker eingeschlagen wurde, um den Tag mit einem leckeren Frühstück zu beginnen.
Der Festivalbesuch begann mit Mono Inc. Recht rockig. Panzer AG und Delain folgten, als dann endlich am frühen Nachmittag einer meiner Highlights auf die Bühne traten. Diorama, die Band um Torben Wendt begleitet mich schon seit vielen Jahren und so freute ich mich in diesem Jahr schon sehr lang auf den Auftritt in Köln und wurde natürlich nicht enttäuscht. Die fröhliche Laune war mehr als ansteckend, schade war allerdings, dass die Zeit recht knapp bemessen war. Die Gute Laune blieb dank dem Auftritt von Saltatio Mortis haften und schlug bei Hocico in Begeisterung um. Denn nicht nur akustisch sondern auch optisch, schaffen es Erk Aicrag und Racso Agroyam, durch die Unterstützung der mit Federn geschmückten Aztekenkrieger, eine recht mystische Stimmung zu schaffen. Doch selbst der Duft des Räucherwerkes und hämmernde Bässe ließen mich recht schnell aufbrechen um im Theater einen guten Platz zu bekommen in welchem zuvor Rosa+Crvx, The Other, Jesus On Extasy, Omnia und Qntal spielten. Denn Oswald Henke’s neues Projekt, welches sich ganz schlicht Henke nennt, war an der Reihe. Stücke aus der Zeit von Erblast und Artwork, welche man leider viel zu selten hört, vereint mit Goethes Erben Titeln sind die einfache Formel für ein gelungenes Programm. Wer die Projekte um Oswald Henke kennt, kann sich bei der Titelauswahl sicher ausmalen, wie begeistert ich war – „Kopfstimme“ und „Eissturm“ machten den Anfang, gefolgt von „Vermisster Traum“ „Zinnsoldaten“ und „Die Brut“. Aber auch „Nichts bleibt wie es war“ „Himmelgrau“ „Stadt der Träume“ und „Sitz der Gnade“ fanden sich im Programm wieder. Auch dieser Auftritt, leider ebenfalls ein wenig zu kurz, war eines meiner Highlights. Auf Grund des verzögerten Auftrittes von Qntal konnte ich dem Grafen nur im Vorbeigehen lauschen und schon begannen die Vorbereitungen für Front 242. Im Theater bereiteten zeitgleich KMFDM, The Gathering und Camouflage den Abschluss für ein gelungenes Wochenende.
Das 6. Amphi ist bereits für den 24. und 25. Juli 2010 in Planung – also – Testmarker suchen und schon mal dick im Kalender anstreichen (falls schon vorhanden *g*). Der Ticketvorverkauf startete nämlich bereits am Montag nach dem Festival.
zu den Fotos
© Inferno
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