Out Of Line Festival @ Matrix Bochum 01/2010
Am Freitag den 22. Januar setzte ich mich um die Mittagszeit abermals mit Ziel Bochum in Bewegung. Wir (Sina und meine Wenigkeit) standen ja schon mal im Dezember vor einer verschlossenen Tür. Nun galt es also endlich die ausgefallene Out of Line Tour nachzuholen. Schließlich hatte ich im Vorfeld Karten geordert und einen Fotopaß des Veranstalters (danke nochmal an Sascha) erhalten. Erst mal noch bei Freunden aufschlagen wo ich gedachte die Nacht bzw. das Wochenende zu verbringen. Dann ging die Herrin des Hauses mit mir und einer Fotoausrüstung im Schlepptau endlich los. Die Matrix an sich ist ein sehr gemütliches Gemäuer mit netter Ausstattung und Illumination und wie gemacht auch mal einen größeren Gig abzuhalten. Nachdem alles rechtliche geklärt und die Sina im Fotograben verstaut war begann auch schon der erste Act zu spielen. Und welche Überraschung es war nicht The Cyberchrist Project sondern Miss Construction enterten die Bühne. An sich kein Problem da sie einen absolut guten Start hinlegten und die Menschen auch nach einer Weile anfingen mit den Köpfen zu zappeln. Genau so schnell wie es begonnen hatte war es auch schon wieder vorbei und binnen einer viertel Stunde die Bühne klar für Solitary Experiments. Allerdings wurde ich noch vorher des Fotograbens verwiesen da pro Paß nur eine Person drinnen sein durfte. Also postierte ich mich genau am Eingang zu selbigen neben einer riesigen Bassbox welche mir nun das Trommelfell gerbte. In gewisser Hinsicht war ich sogar froh mußte ich mir nun nicht mehr den Hals verrenken beim zuschauen. An Solitary Experiments gab es nichts auszusetzen und die Temperatur in der Halle stieg merklich an. Ich inspizierte die Mädchen und versuchte mich auch etwas im Kopfwackeln nachdem ich festgestellt hatte das ich zu blöd bin die Serienbild Funktion meiner Kamera zu finden. Gewöhnlich hätte mich das aufgeregt, aber Sina stand oder besser bewegte sich ja mit ihren Kameras durch den Fotograben und ich mußte nichts weiter tun als ab und an eine Cola reichen. So hatte ich auch viel Zeit mich dem Publikum zu widmen welches zum Großteil aus Blutengel Fans zu bestehen schien. Und natürlich der Musik zu lauschen. Solitary Experiments spielten einen souveränen Gig. Die drei Mannen um Frontman Dennis Schober machten ihre Sache eigentlich so gut und mit sehr viel Charisma, daß ich es eigentlich schade fand daß sie nur einen kurzen Auftritt hatten. Ich könnte mir von Solitary Experiments durchaus auch ein Konzert in voller Länge antun. Nun denn betätigte ich mich wieder einmal als Colaträger und das dicke Mädchen und ihre dünne Freundin neben mir stöhnten wann denn endlich Herr Pohl die Bühne entern würde und auch warum die Fotografen immer rein und raus laufen würden. Ich für meinen Teil grinste sie blöd an und dachte mir meinen Teil. Inzwischen hatten Rabia Sorda mit Technikern die Bühne umgebaut und begaben sich auf selbige. Endlich dachte ich mir. Die Mädchen neben mir verdrehten die Augen und das Publikum begann endlich mal richtig locker zu werden. Die Temperatur stieg langsam auf ein Maß an wo auch mir warm wurde und Erk Aicrag fegte über die Bühne und auch seine Mannen lieferten eine gute Show hinter den Instrumenten ab so das ich mich nicht recht entscheiden konnte ob ich nun mit dem Kopf wackeln oder besser der Show folgen sollte. Normalerweise war mir jetzt spätestens so richtig nach springen zu Mute. Die Mädchen neben mir quittierten ein etwas freudigeres Gezappel meinerseits mit einem Blick welcher sagte das sie das nicht glauben konnten. Eines ließ sich irgendwann einfach auf den Boden plumsen um so ihr Desinteresse auszudrücken. Dem Rest des Publikums schien es doch sehr gut zu gefallen und Erk Aicrag sprang auch mal kurz in den Fotograben und trat Sina dabei noch ganz dezent ins Schienbein. Ich drehte zumindest ein Video welches leider im Nachhinein nur knattert und versuchte mich weiter im Kopfwackeln dabei erntete ich weiterhin verständnislose und verächtliche Blicke. Man hatte jetzt vorsorglich einen dicken Freund zu mir gesellt welcher mich aber nicht davon abhielt weiter Spaß zu haben. Ein oder zwei mal schlug ich mit dem Kopf gegen die Wand was mir eigentlich so ziemlich egal war. Schließlich war ich schon fast ganz oben auf der Leiter meines Glückes. Alles hat mal ein Ende und so auch das Konzert von Rabia Sorda. Gerade noch voller Freude registrierte ich das die Bühne für Blutengel umgebaut wird. Ok dachte ich, haben sie mit Kirlian Camera getauscht und die Band aus Italien gibt heute den Headliner. So schaute ich mir die Show an die Mädchen neben mir schmolzen dahin und beim 2. Song verließen viele Fotografen fluchtartig den Fotograben. Sah jedenfalls für Außenstehende so aus. Gut verblieben noch zwei und Sina hatte so noch mehr Platz um sich zu bewegen. Was soll man zu Blutengel groß schreiben. Jeder Song wird inszeniert und gleicht einem kleinem Theaterstück. Es beginnt schon mit dem Opener wenn erst mal eine Gestalt in Mönchskutte die Laternen auf der Bühne entzündet welche mit Grabsteinen und einem Thron geschmückt ist. Dann tauchte Chris Pohl auf der Bühne auf mit einem Outfit wie er es schon vor 10 Jahren getragen hat und die Mädchen gerieten vollends in Verzückung. Ein noch dickeres Mädchen schubste mich kokett zur Seite grinste mich an und nahm meinen Platz ein. Ich sagte nichts dazu und nippelte an meinem 5. halben Liter Water Joe, denn mittlerweile waren in der Halle gute 30 Grad Celsius. Lange hatte ich mit mir im Vorfeld gerungen und gedachte das Konzert tapfer zu ertragen auch wenn die Mädchen noch hysterischer werden sollten. Die Bühnenshow an sich fand ich nun nicht unbedingt hervorragend aber auch nicht schlecht. An guten Ideen mangelte es nicht wohl aber an einer konsequenten Umsetzung. Ich weiß daß ich damit einige Blutengel Fans sicher vor den Kopf stoße aber ich sehe es mit den Augen eines normalen Kritikers der die Band auch schon etliche Jahre kennt. Musikalisch war es am Anfang etwas holprig da die Techniker ein klein wenig nach regeln mußten dann ging es aber. Als die Fotografen alle verschwanden fand ich das nun nicht so prickelnd, da es sicherlich auch für die Künstler sichtbar war und doch etwas nach Desinteresse aussah. Lediglich Sina und der Thomas seines Zeichens Fotograf der Blutengel Fanpage verblieben noch und eigentlich war es auch gut so denn die Schow steigerte sich langsam und wenn man mal weniger auf die Tänzerinenn sondern mehr auf die Sängerinnen achtete so gaben sie sich doch sehr viel Mühe und sangen sehr ausdrucksstark. Das die Garderobe der einen schlecht gewählt war und wie die einer Gouvernante aus den 1940er Jahren aussah störte etwas das Bild von der an sich guten Show welche sie ablieferte. Irgendwann sagte Chris Pohl dann das es ihm Leid tue daß die Band Kirlian Camera nicht auftreten könnte und er beste Genesungswünsche an Angelo Bergamini schickt. Hhhhmmmpfff. So ertrug ich nun mit einem gewissen inneren Unmut das Konzert noch bis zu Ende und muß wirklich eingestehen das Blutengel ihre Sache gut gemacht haben. Das Ende war sehr gut gestaltet und ich grübelte im nachhinein noch einige Zeit was mir auf der Bühne gefehlt hat. Fehlende Instrumente, die nicht vorhanden Computer oder etwas Anderes? Es sah immer etwas leer aus. Ob es nun mein Geschmack war oder nicht sei dahin gestellt. Vielleicht war der Übergang auch etwas zu abrupt von Rabia Sorda zu Bluengel. Man kann Blutengel eigentlich keinen Vorwurf machen und muß doch sehen das es den Fans sehr gut gefallen hat. Zur optischen Umsetzung hat jeder seine eigene Meinung zumal wenn man so wie ich schon selber auf und auch vor der Bühne hinter den Reglern gestanden hat. Aber rein musikalisch war es doch sehr gut und die Mischung von alten und neuen Songs doch sehr ausgewogen. Vielleicht schaue ich mir Blutengel auch noch einmal an um eventuell mein Urteil zu revidieren. Alles in allem war das Festival doch ganz nett auch wenn ich mir gewünscht hätte nicht erst beim Konzert zu erfahren das Kirlian Camera nicht auftreten werden. Ich bin nun nicht so zynisch und behaupte das ein Teil der Besucher dann schon nach Rabia Sorda gegangen wäre aber die Stimmung war zumindest bei mir sofort auf dem Nullpunkt und ich kann mir gut vorstellen daß es einigen anderen Besuchern auch so ging.
Die Matrix in Bochum an sich, ist ein empfehlenswerter Club und die Preise halten sich im Rahmen. Die Security ist bestimmt aber nett und nicht so grimmig wie in manch anderem Club von der Größe. Ich komme sicherlich wieder...

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Copyright: Text & Fotos: Los Ninos de la Noche! 2010 & Schwarzes-Thüringen 2010
 

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